Mehrsprachigkeit in Bayern fördern!

Bayern ist Heimat von Menschen aus vielen verschiedenen Ländern geworden. Jede*r fünfte Bewohner*in des Freistaates weist heute Migrationsgeschichte auf. Darin liegt ein großer Schatz für die Gesellschaft und das Individuum. Um diesen Schatz offenzulegen muss das bayerische Schulsystem die verschiedenen Muttersprachen stärker fördern und anerkennen, anstatt wie bisher dem Credo „erstmal nur Deutsch lernen“ zu folgen.

Hier mein Antrag den ich zusammen mit der Bildungspolitischen Sprecherin Gabi Triebel und der Grünen Fraktion eingereicht habe.

Deutsch und eine andere Muttersprache gleichzeitig fördern!

In Bayern wurde der herkunftssprachliche Unterricht vor zehn Jahren ‚zugunsten einer Intensivierung der Deutschförderung‘ abgeschafft. Natürlich ist es grundlegend, dass alle Menschen in Bayern Deutsch sprechen. Doch ist ein Fehler eine andere Muttersprache nicht gleichzeitig zu fördern.

In einer globalisierten Welt ist Mehrsprachigkeit wichtig!

Das frühe Erlenen und Sprechen von mehreren Sprachen ist eine Bereicherung und die Sprachen stehen in keiner Konkurrenz zu einander (einen guten Überblick über den Stand der Forschung zeigt dieser Bericht). Diese Bereicherung wird aber behindert, wenn Kinder in bayerischen Schulen anstatt ihre Muttersprache in der Schule wählen und verbessern zu können, erst einmal eine ganz andere Sprache wie Französisch oder Latein belegen müssen. Denn während unsere Gesellschaft kulturell vielfältiger wird, ist der Maßstab des bayerischen Schulwesens weiterhin das einsprachige Kind.

Es geht anders wie z.B. in NRW

Andere Bundesländer machen es vor: In Nordrhein Westphalen werden 23 verschiedene Sprachen (darunter z.B. Türkisch, Arabisch oder Russisch) im herkunftssprachlichen Unterricht staatlich gefördert. Das Kultusministerium ermittelt den Bedarf an Sprachen und stimmt das Sprachangebot daraufhin ab. Sachsen bietet staatlichen Sprachunterricht in 18 Sprachen (wie Vietnamesisch, Bulgarisch, Polnisch…) an. Die Fächer fließen dabei regulär in den Stundenplan der Schüler*innen ein und können bis zum Abitur belegt werden.

Die bayerische Regierung bietet dagegen kaum Perspektiven für staatlichen Sprachunterricht in den Muttersprachen der Kinder, dieser habe keine „Rechtsgrundlage“ (Mehr Infos dazu hier in meiner schriftlichen Anfrage: Mehrsprachigkeit in Bayern I (landtag.de).

Damit ist es nicht verwunderlich, dass die amtliche Schulstatistik bei der Schulanmeldung nicht einmal die Muttersprache der Kinder erfasst.

Es braucht in Bayern staatlichen muttersprachlichen Sprachunterricht

Bildungspolitik ist Ländersache und so hat es die bayerische Regierung selbst in der Hand, neue und zeitgemäße Gesetze und Konzepte zu verabschieden. In Bayern können zwar unter besonderen Umständen Englischprüfungen an Mittel- und Realschulen durch eine andere Sprache ersetzt werden. Auch am Gymnasium können Schüler*innen die zweite oder dritte Fremdsprache durch geprüfte Kenntnisse ihrer Muttersprache streichen. Von tatsächlicher Förderung der Muttersprachen der Jugendlichen sind diese Ansätze jedoch weit entfernt. Staatlicher muttersprachlicher Sprachunterricht wird schließlich, anders als in den meisten Bundesländern, nicht angeboten.

Zudem gibt Bayern ohne staatlich organisierten Fremdsprachenunterricht auch die Ausbildung von zukünftigen Lehrkräften aus der Hand. So bleibt für Eltern und Kinder in Bayern oft nur der Konsulatsunterricht, der nicht immer laizistisch und weltanschaulich neutral ist, fast nur in München verfügbar ist und nicht in das Zeugnis mit einfließt.

Grüner Antrag zur Förderung muttersprachlichen Unterrichts

Muttersprachen sind Teil der kulturellen Identität und für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen von großer Bedeutung. Im späteren Berufsleben ist jede weitere Sprache zudem eine wertvolle Ressource, vor allem im Hinblick auf die zunehmende Verflechtung der Wirtschaft.

In diesem Antrag fordere ich zusammen mit Gabi Triebel und der Grünen Fraktion die bayerische Regierung auf, ein durchgängiges Konzept vorzulegen, welches den Unterricht in der Herkunftssprache anstelle einer zweiten oder dritten Pflichtfremdsprache vorsieht.

Viel zu oft ist die kulturelle Vielfalt von Personen mit Migrationsgeschichte eine Bürde und gerade kein Schatz für das Leben in Deutschland. Die Staatsregierung kann und muss dies ändern. Gerade das Schulsystem ist zu häufig ein Stolperstein für Personen, die zuhause nicht Deutsch sprechen. Ihre Erfahrungen und Sprachkenntnisse fließen bisher kaum in die Schulnoten ein. Es ist Zeit, ihre Leistungen anzuerkennen und mehr Muttersprachen in staatlichen Schulen anzubieten.

Kontaktieren Sie mich gern, wenn Sie Anregungen für die politische Debatte haben unter info@guesleren.de